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Ausbildung zur Reitsport-Sattlerin – Ein Handwerk zwischen Werkstatt, Pferd und Mensch

Wenn Menschen an den Beruf des Sattlers denken, entstehen oft Bilder aus vergangenen Zeiten. Werkbänke aus Holz. Leder, Nadeln, Garne und schwere Werkzeuge.

11 Min. Lesezeit

Inhaltsverzeichnis

Wenn Menschen an den Beruf des Sattlers denken, entstehen häufig Bilder aus einer anderen Zeit: eine schwere Werkbank, Leder, Nadeln, Garne und Werkzeuge, deren grundlegende Form sich über Generationen kaum verändert hat. Vielleicht denkt man an einen alten Sattel, der repariert wird, oder an ein Zaumzeug, das Stich für Stich von Hand entsteht.

Ganz falsch ist dieses Bild nicht. Es zeigt jedoch nur einen Ausschnitt.

Die Reitsportsattlerei ist ein anspruchsvoller Ausbildungsberuf, in dem traditionelles Handwerk, Materialkunde, moderne Fertigungstechniken und die besonderen Anforderungen des Reitsports zusammenkommen. Reitsportsattlerinnen und Reitsportsattler verarbeiten Leder, Textilien und Kunststoffe. Sie schneiden, nähen, polstern, reparieren und fertigen Ausrüstungsgegenstände, die nicht nur sauber gearbeitet sein, sondern unter täglicher Belastung zuverlässig funktionieren müssen.

Trotz dieser Vielseitigkeit wissen viele junge Menschen kaum, dass es den Beruf überhaupt gibt. Unsere Auszubildende hat selbst erlebt, wie schwer es sein kann, verlässliche Informationen zu finden und schließlich einen geeigneten Ausbildungsbetrieb zu erreichen.

Ein anerkannter Beruf, den kaum jemand kennt

Die Ausbildung zur Sattlerin oder zum Sattler in der Fachrichtung Reitsportsattlerei ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf in Industrie und Handwerk. Sie dauert regulär drei Jahre und wird im dualen System absolviert: Die praktische Ausbildung findet im Betrieb statt, die fachtheoretische Ausbildung in der Berufsschule.

Neben der Reitsportsattlerei gibt es die Fachrichtungen Fahrzeugsattlerei und Feintäschnerei. Die gemeinsame Grundlage bildet die fachgerechte Verarbeitung von Leder, Textilien, Kunststoffen und weiteren Werkstoffen. Erst im Verlauf der Ausbildung treten die Besonderheiten der jeweiligen Fachrichtung stärker in den Vordergrund.

Offiziell geregelt zu sein bedeutet allerdings nicht automatisch, auch sichtbar zu sein. Wer keinen persönlichen Bezug zu Pferden, zum Reitsport oder zum Lederhandwerk hat, begegnet der Reitsportsattlerei bei der Berufswahl womöglich überhaupt nicht.

„Ich fand es unfassbar schwer, überhaupt herauszufinden, wo man diesen Beruf lernen kann. Ist das eine Ausbildung, ist es ein Studium – gibt es das überhaupt offiziell?“

Unsere Auszubildende

Bei ihrer ersten beruflichen Orientierung fand unsere Auszubildende so wenige greifbare Informationen, dass sie sich zunächst für eine Tischlerausbildung entschied. Das Interesse an der Reitsportsattlerei blieb jedoch bestehen. Erst später begann sie erneut, gezielt nach diesem Beruf und nach möglichen Ausbildungsbetrieben zu suchen.

Ihre Erfahrung zeigt ein grundlegendes Problem: Ein Beruf kann noch so interessant sein – wenn junge Menschen ihn bei ihrer Orientierung nicht finden, entscheiden sie sich zwangsläufig für andere Wege.

Der lange Weg zum Ausbildungsplatz

Auch wer sich bewusst für die Reitsportsattlerei entscheidet, hat damit noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Nicht jede Sattlerei bildet aus, und nicht jeder Ausbildungsbetrieb verfügt zum gewünschten Zeitpunkt über eine freie Stelle.

Unsere Auszubildende suchte deshalb nicht nur auf allgemeinen Ausbildungsportalen, sondern nahm direkt Kontakt zu zahlreichen Sattlereien auf.

„Ich habe ungefähr 20 Sattlereien angeschrieben. Viele haben einfach abgesagt. Weitergekommen bin ich vor allem durch Nachfragen und den Austausch mit anderen Sattlerinnen und Sattlern.“

Unsere Auszubildende

Eine Sattlerin, die selbst ausbildete, zu diesem Zeitpunkt jedoch keinen freien Platz anbieten konnte, gab ihr Hinweise für die weitere Suche. Persönliche Empfehlungen und Gespräche innerhalb des Handwerks erwiesen sich schließlich als hilfreicher als eine rein digitale Recherche.

Auf diesem Weg entstand auch der Kontakt zu HÖPFNER. Die Entfernung von ihrem Wohnort bis zur Manufaktur beträgt rund 100 Kilometer. Angesichts der wenigen erreichbaren Möglichkeiten war Hannover für sie dennoch eine vergleichsweise gute Lösung.

Gerade Schulabgängerinnen und Schulabgänger kann ein solcher Suchprozess abschrecken. Wer noch nicht sicher weiß, dass es unbedingt die Reitsportsattlerei sein soll, entscheidet sich möglicherweise für einen Beruf, bei dem Ausbildungsplätze, Ansprechpartner und Bewerbungswege leichter zu finden sind.

Was die Ausbildung tatsächlich umfasst

Die Ausbildung beginnt mit den handwerklichen Grundlagen. Bevor ein Sattel angepasst oder ein komplexes Werkstück hergestellt werden kann, müssen Auszubildende lernen, Materialien zu beurteilen und präzise zu verarbeiten.

Dazu gehört das Verständnis dafür, wie Leder aufgebaut ist, wie seine Fasern verlaufen und welches Material sich für welchen Zweck eignet. Die Auszubildenden fertigen Schablonen an, übertragen Maße, schneiden Werkstoffe zu und lernen unterschiedliche Verbindungstechniken kennen.

Zu den Ausbildungsinhalten gehören unter anderem:

  • Leder, Textilien und weitere Werkstoffe auswählen und beurteilen
  • Maße ermitteln und technische Unterlagen anfertigen
  • Schablonen erstellen und Materialien zuschneiden
  • Lederkanten ausschärfen, bearbeiten und versäubern
  • Handnähte und Maschinennähte ausführen
  • Schnallen, Beschläge und andere Zubehörteile verarbeiten
  • Polsterungen herstellen und bearbeiten
  • Reit- und Fahrsportartikel fertigen und reparieren
  • Sättel herstellen, anpassen und instand setzen
  • Arbeitsergebnisse prüfen und ihre Qualität beurteilen

Der Sattelbau gehört ausdrücklich zum Ausbildungsberufsbild der Fachrichtung Reitsportsattlerei. Wie umfassend die einzelnen Arbeitsschritte im Ausbildungsalltag erlebt werden, hängt jedoch vom Leistungsspektrum des jeweiligen Betriebs ab.

Am Anfang stehen meist überschaubare Aufgaben: eine Kante sauber bearbeiten, einen Riemen zuschneiden, eine Naht vorbereiten oder eine Schnalle fachgerecht befestigen. Mit wachsender Erfahrung werden die Arbeiten anspruchsvoller.

Das Material verlangt dabei große Sorgfalt. Ein falscher Schnitt lässt sich nicht rückgängig machen. Eine ungleichmäßige Naht bleibt sichtbar. Eine fehlerhaft ausgeführte Polsterung kann sich auf die Funktion des gesamten Werkstücks auswirken.

Zwischen Berufsschule und Werkstatt

Im Ausbildungsbetrieb lernen die Auszubildenden die praktischen Abläufe des Handwerks kennen. Die Berufsschule vermittelt die fachlichen Grundlagen, die hinter diesen Arbeiten stehen.

Bei unserer Auszubildenden findet der Unterricht dreimal im Jahr für jeweils ungefähr vier Wochen im Block statt. Während dieser Zeit konzentriert sie sich vollständig auf die schulischen Inhalte. Anschließend kehrt sie für mehrere Monate in den Betrieb zurück. Die Organisation kann an anderen Schulstandorten anders geregelt sein.

In der Berufsschule geht es beispielsweise um den Aufbau von Fasern, die Eigenschaften verschiedener Werkstoffe und die Unterschiede zwischen Garnen und Zwirnen. Die Auszubildenden lernen, wie Nähmaschinen aufgebaut sind, wie Fäden durch die Maschine geführt werden und worin sich eine Maschinennaht von einer handgefertigten Sattlernaht unterscheidet.

Theorie und Praxis werden miteinander verbunden. So entstehen im Unterricht beispielsweise Taschen oder andere Werkstücke. In einem der bereits absolvierten Unterrichtsblöcke beschäftigte sich die Klasse zudem mit dem Schweißen von Materialien.

Hinzu kommen allgemeinbildende Fächer sowie Themen wie Arbeitsplanung, technische Darstellung, Qualitätssicherung, Kundenaufträge und Arbeitsschutz.

In der Klasse unserer Auszubildenden werden mehrere Fachrichtungen gemeinsam unterrichtet. Die größte Gruppe bilden angehende Fahrzeugsattlerinnen und Fahrzeugsattler. Hinzu kommen fünf oder sechs Auszubildende aus der Reitsportsattlerei und zwei aus der Feintäschnerei.

Diese Zusammensetzung macht deutlich, wie klein die Reitsportsattlerei innerhalb des gesamten Sattlerhandwerks ist. Gleichzeitig lernen die Auszubildenden Techniken und Materialien kennen, die über die eigene Fachrichtung hinausgehen.

Der Ausbildungsalltag bei HÖPFNER

Die Ausbildungsordnung legt fest, welche Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden müssen. Wie diese Inhalte im Arbeitsalltag erlebt werden, hängt jedoch wesentlich vom Ausbildungsbetrieb ab.

Einige Sattlereien konzentrieren sich auf Reparaturen oder auf die Anpassung bestimmter Marken. Andere Betriebe verfügen über keine eigene Sattelproduktion. Entsprechend unterschiedlich können die praktischen Erfahrungen während der Ausbildung ausfallen.

Bei HÖPFNER werden Sättel unterschiedlicher Hersteller kontrolliert, angepasst und repariert. Gleichzeitig fertigt die Manufaktur eigene Sättel. Unsere Auszubildende erlebt deshalb sowohl die Arbeit an vorhandenen Modellen als auch den Aufbau eines neuen Sattels.

„Für mich ist hier ein großer Vorteil, dass wir Sättel unterschiedlicher Hersteller anpassen und selbst Maßsättel herstellen. Viele Betriebe machen hauptsächlich Anpassungen und haben keine eigene Herstellung. Dann bekommt man den vollständigen Sattelbau viel weniger mit.“

Unsere Auszubildende

Die Arbeit an verschiedenen Fabrikaten erweitert den fachlichen Blick. Sättel unterscheiden sich in Konstruktion, Polsterung, Materialien und den Möglichkeiten ihrer Veränderung. Eine Lösung, die bei einem Modell funktioniert, lässt sich nicht automatisch auf ein anderes übertragen.

Die eigene Fertigung zeigt wiederum, wie die einzelnen Bestandteile zusammenwirken. Auszubildende erleben, welche Entscheidungen bereits beim Zuschnitt, bei der Polsterung und bei der Montage getroffen werden müssen, damit am Ende ein funktionierendes Gesamtprodukt entsteht.

So verbindet der Ausbildungsalltag bei HÖPFNER drei Perspektiven: die Herstellung eines neuen Sattels, die Anpassung eines vorhandenen Modells und die Reparatur eines bereits genutzten Werkstücks.

Pferdekenntnis: hilfreich, aber nicht die einzige Voraussetzung

Viele Menschen erfahren überhaupt erst von der Reitsportsattlerei, weil sie selbst reiten oder regelmäßig mit Pferden zu tun haben. Entsprechende Erfahrungen sind hilfreich, aber sie ersetzen nicht die handwerkliche Ausbildung.

Im Mittelpunkt stehen zunächst Materialien, Fertigungsverfahren, Konstruktionen, Reparaturen und die sorgfältige Ausführung der einzelnen Arbeitsschritte. Handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen, Geduld und Beobachtungsgenauigkeit sind deshalb besonders wichtig.

Wer später Sättel herstellt oder anpasst, benötigt jedoch auch Kenntnisse über die Anatomie und die Bewegungsabläufe von Pferden. Ein Sattel liegt nicht auf einem unbeweglichen Gegenstand, sondern auf einem lebenden Körper, der sich während der Bewegung und im Laufe der Zeit verändert.

Muskulatur, Rückenlinie, Schulterbereich, Alter und Trainingszustand können die Passform beeinflussen. Gleichzeitig muss ein Sattel auch zur Reiterin oder zum Reiter, zur jeweiligen Disziplin und zu den individuellen Anforderungen passen.

Wie häufig Auszubildende bereits während ihrer Lehrzeit direkt am Pferd arbeiten, kann von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sein. Bei HÖPFNER begleitet unsere Auszubildende erfahrene Kollegen zu entsprechenden Terminen. Dort kann sie beobachten, wie Pferd, Reiter und Sattel gemeinsam beurteilt werden und welche Erkenntnisse anschließend in die Werkstattarbeit einfließen.

Diese Verbindung zwischen Außentermin und Werkstatt ist besonders wertvoll: Am Pferd wird erkannt, was später am Sattel fachgerecht umgesetzt werden muss.

Präzision, Verantwortung und Vielfalt

Reitsportsattlerinnen und Reitsportsattler stellen nicht einfach nur ansprechende Lederwaren her. Ihre Arbeit muss belastbar sein und ihren vorgesehenen Zweck zuverlässig erfüllen.

Das gilt für einen einzelnen Riemen ebenso wie für eine Trense oder einen vollständigen Sattel. Nähte, Schnallen und Beschläge werden teilweise erheblich beansprucht. Materialauswahl und Verarbeitung haben deshalb direkten Einfluss auf Haltbarkeit und Sicherheit.

Beim Sattel kommt eine besondere Verantwortung hinzu. Fehler in Konstruktion, Polsterung oder Anpassung können die Bewegungsfreiheit des Pferdes beeinträchtigen und sich zugleich auf den Sitz der Reiterin oder des Reiters auswirken.

Deshalb genügt es nicht, dass ein Werkstück äußerlich sauber erscheint. Es muss konstruktiv durchdacht sein und in der praktischen Nutzung funktionieren.

Viele der dafür notwendigen Fähigkeiten entstehen erst durch Wiederholung: Wie stark muss ein Faden bei einer Handnaht angezogen werden? Wann ist eine Kante wirklich gleichmäßig gearbeitet? Woran erkennt man eine ausgewogene Polsterung? Welche Reparatur ist sinnvoll, und wann muss ein beschädigtes Bauteil ersetzt werden?

Solche Entscheidungen beruhen nicht allein auf theoretischem Wissen. Sie entwickeln sich durch Beobachtung, Anleitung und die tägliche Arbeit mit dem Material.

Gerade darin liegt auch die Vielseitigkeit des Berufs. Zum Arbeitsfeld können unter anderem gehören:

  • Reitsättel
  • Trensen und Zaumzeuge
  • Geschirre und Fahrsportartikel
  • Steigbügelriemen und andere Riemenwaren
  • Polsterarbeiten
  • Reparaturen und Restaurierungen
  • Gürtel, Taschen und weitere Lederwaren
  • Maßanfertigungen und individuelle Sonderlösungen

Kaum ein Auftrag gleicht vollständig dem anderen. Material, Konstruktion, Zustand und die Anforderungen der Kundinnen und Kunden verlangen immer wieder neue Entscheidungen.

Ein seltenes Handwerk braucht Nachwuchs

Die Reitsportsattlerei bietet ein vielseitiges Arbeitsfeld zwischen traditioneller Handarbeit, moderner Technik, individuellen Kundenaufträgen und der Arbeit rund um das Pferd. Ihre größte Schwierigkeit liegt nicht in mangelnder Vielfalt, sondern häufig bereits in ihrer geringen Sichtbarkeit.

Damit junge Menschen diesen Beruf überhaupt in Betracht ziehen können, müssen sie erfahren, dass es ihn gibt, wie die Ausbildung aufgebaut ist und an wen sie sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz wenden können.

Gleichzeitig braucht das Handwerk Betriebe, die bereit sind, ihr Wissen weiterzugeben. Ausbildung verlangt Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit. Sie sorgt jedoch dafür, dass handwerkliche Techniken und über Jahre erworbene Erfahrungen nicht mit einer Generation verloren gehen.

„Es ist ein unglaublich toller Beruf. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, und man lernt relativ schnell sehr viel. Ich bin sehr glücklich, dass ich ihn gefunden habe. Es ist genau das, was ich machen wollte.“

Unsere Auszubildende

Zwischen Werkbank und Pferderücken, zwischen Handnaht und Nähmaschine, zwischen überliefertem Wissen und neuen Anforderungen liegt ein Beruf, der weit moderner und facettenreicher ist, als sein geringer Bekanntheitsgrad vermuten lässt.

Wer das Sattlerhandwerk nicht nur kennenlernen, sondern unmittelbar erleben möchte, ist bei unseren Veranstaltungen herzlich willkommen. Bei der offenen Werkstatt und unseren Leder-Workshops geben wir Einblicke in die Arbeit unserer Manufaktur, zeigen traditionelle Techniken und machen erfahrbar, wie viel Wissen, Präzision und Geduld in jedem Werkstück stecken.

Handwerk vor Ort erleben →

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